Tief durchatmen und los geht's

Übermäßiges Lampenfieber lähmt Gedanken und verspannt den ganzen Körper. Rhetores-Trainerin Claudia Grönke gibt Tipps, wie man am besten damit umgeht.

Lampenfieber ist durch eine lange Kette von negativen Lernerfahrungen und Gedanken entstanden und umklammert einen Menschen wie eine Mauer der Angst. Jede Erfahrung, jeder Gedanke ist wie ein Mauerstein, ein Klotz, von dem der Sprecher sich oft nur schwer befreien kann. Diese Menschen stellen typische Fragen wie Ich kann das nicht. Ich stehe nicht hinter der Sache. Hoffentlich ist das schnell vorbei. Was ist, wenn ich den Faden verliere? Was mache ich, wenn ich eine Frage nicht beantworten kann?

Eine wichtige beruhigende Erkenntnis ist, dass Sie selbst diese Mauer der Angst aufgebaut haben und Sie damit auch wieder einreißen können.

Seien Sie Ihr eigener Regisseur

Machen Sie sich bewusst, wie Sie Ihr Lampenfieber formulieren. Oft liest sich die Formulierung sehr passiv: Jetzt überfällt mich wieder die Angst. Oder: Die Angst greift nach mir. Damit suggieren Sie, dass Sie die Sache nicht in der Hand haben. Aber wer denn, wenn nicht Sie? Als Erstes müssen Sie nach einer Formulierung suchen, die Sie das Lampenfieber aktiv in die Hand nehmen lässt. Ich habe jetzt Angst. Was kann ich tun, um mich sicher zu fühlen? Wenn Sie im Coaching sind, dann klärt Ihr Coach mit Ihnen, warum Sie so negativ denken und entwickelt zusammen mit Ihnen neue, Ihr Selbstgefühl stärkende Strategien.

Als Zweites lernen Sie zu akzeptieren, dass Sie Fehler machen dürfen. Wenn Sie auf Perfektionismus getrimmt sind, wird Ihre Präsentation kantig und eng. Vergessen Sie diese Null-Fehler-Mentalität, denn Sie können und sollen nicht alles kontrollieren. Gerade der Wunsch nach Kontrolle schürt die Angst und verstärkt das Lampenfieber. Entspannender ist die Einstellung Ich kann meinen Vortrag nicht perfekt kontrollieren. Aber ich kann mir helfen, nicht den Faden zu verlieren: Ich habe ein Skript, Moderationskarten, Slides und ich bin gut vorbereitet.

Schlüpfen Sie in die Rolle des Akteurs

Natürlich geschieht es, dass man trotz guter Vorbereitung den Faden verliert. Na und? Lassen Sie sich darauf ein. Sie können freudig darauf warten, einen Fehler zu machen. Dafür haben Sie einen Notfallkoffer gepackt, aus dem Sie einen passenden Satz entnehmen:

  • Ich spreche an, was gerade los ist: Jetzt habe ich den Faden verloren, einen Moment bitte.
  • Ich kommentiere, was ich nun tun möchte: Ich schaue mal kurz in meine Unterlagen. Oder: Ich suche eben das nächste Slide heraus.
  • Ich setze eine Pause. Bis zu acht Sekunden Pause werden vom Zuhörer als normal gewertet - diese Zeit wird nicht als Unterbrechung wahrgenommen. Insgesamt erhöht eine Sprechweise, die Pausen zulässt, Ihre innere Ruhe und lässt die Zuhörer länger aufmerksam sein.